Brief des Vorstands an die Aktionäre.

Liebe Leserinnen und Leser,

im Februar dieses Jahres mussten wir Ihnen mitteilen, dass Herr Heinz Hermann Thiele, langjähriger Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitsaktionär von Knorr-Bremse verstorben ist. Er war eine der größten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands, der sein ganzes Leben mit unermüdlichem persönlichen Einsatz in den Dienst des Unternehmens Knorr-Bremse gestellt hat. Als weitsichtiger Unternehmer hatte Herr Thiele bereits vor fast 15 Jahren die Leitung des Unternehmens in die Hände von externen Managern gelegt und hatte mit dem Börsengang 2018 einen weiteren Schritt zur Sicherung der Zukunft von Knorr-Bremse unternommen. Der Vorstand von Knorr-Bremse wird gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und den Mitarbeitern den erfolgreichen Wachstumskurs der Knorr-Bremse AG im Sinne von Herrn Thiele fortsetzen.

Das zurückliegende Geschäftsjahr war für uns alle geprägt von der Covid-19-Pandemie. Schon früh hatte sich ein Jahr voller großer Herausforderungen abgezeichnet – und so ist es gekommen. Als Unternehmen sind wir dank der Resilienz und Solidität unseres Geschäftsmodells vergleichsweise gut durch das Krisenjahr gekommen. Dazu haben vor allem die kurzfristig eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit beigetragen, bei denen der Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter höchste Priorität hatte. Trotzdem konnten wir uns nicht ganz den negativen Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft und Märkte entziehen: Werksschließungen von Kunden, reduzierter Verkehr und eingeschränkte Mobilität haben zu einer verlangsamten Geschäftsentwicklung geführt.

Knorr-Bremse hat dennoch im vergangenen Jahr wichtige Schritte für die weitere Geschäftsentwicklung unternommen. Mit der Übernahme von R.H. Sheppard in den USA ist unsere Division CVS zu einem der drei global führenden Anbieter von Nutzfahrzeug-Lenksystemen geworden und hat gleichzeitig die Weichen gestellt, ein globaler Systemlieferant für integrierte Lenk- und Bremssysteme zu werden. Dies ist die Basis für zukünftige Fahrerassistenz- und hochautomatisierte Fahrsysteme. Darüber hinaus haben Knorr-Bremse und Schmitz Cargobull im November ihre langjährige Partnerschaft in Bezug auf Zukunftstechnologien durch einen mehrjährigen Liefervertrag für Lösungen zur Trailer-Brems- und Fahrwerkssteuerung unterstrichen. Auch unsere Division RVS hat im vergangenen Jahr ihre führende Marktposition mit einer Reihe von wichtigen Aufträgen gefestigt. Von Siemens erhielten wir einen Großauftrag für die Einstiegssysteme von 94 U-Bahn-Zügen der legendären „Tube“ in London. Im April 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Pandemiewelle, erhielten wir vom russischen Zughersteller Transmash-Holding in Ägypten einen Auftrag über die Lieferung von Bremssystemen für rund 1.300 Reisezugwagen.

Der gesamte Vorstand ist sehr stolz auf die starke Leistung und die hohe Motivation des ganzen Teams im vergangenen Jahr, das für uns alle herausfordernd gewesen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weiterhin sehr fokussiert und setzen sich mit großem Engagement für unsere Kunden und Knorr-Bremse als Unternehmen ein. Wir denken, das ist außergewöhnlich und möchten unseren 29.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen herzlichen Dank aussprechen.

Schnelleres Wachstum als unsere Märkte und eine hohe Resilienz des Geschäftsmodells und der Profitabilität – das sind zwei wesentliche Eckpfeiler unserer Equity Story. Deren Zuverlässigkeit konnten wir im vergangenen Jahr unter Beweis stellen. Mit einem Umsatz von € 6,16 Mrd. liegen wir zwar rund 11% unter dem Vorjahr, haben aber das obere Ende der Prognosespanne für das Geschäftsjahr 2020 erreicht.

Beide Divisionen mussten angesichts der Covid-19-Pandemie und der entsprechenden Auswirkungen auf die Märkte im vergangenen Geschäftsjahr Umsatzrückgänge verzeichnen. Die Division RVS verbuchte einen Rückgang von -8,7% im Umsatz auf € 3.337 Mio., was im Wesentlichen auf ein rückläufiges Geschäft mit den Schienenfahrzeugherstellern in allen Regionen zurückzuführen ist. Das EBITDA sank zwar volumenbedingt um -6,2%, konnte jedoch infolge margenstarker Ergebnisbeiträge aus dem Nachmarktgeschäft und Effekten aus einem Covid-19-Maßnahmenprogramm eine gestiegene EBITDA-Marge vom Umsatz von 22,9% gegenüber dem Vorjahr mit 22,3% erzielen.

Der Umsatz der Division CVS sank um -14,0% auf € 2.819 Mio., vor allem aufgrund einer weltweit rückläufigen Lkw-Produktion und damit verbundenen deutlichen Umsatzeinbußen für Knorr-Bremse in Nordamerika und Europa. Das EBITDA sank ebenfalls aufgrund geringeren Volumens um -24,3%. Die EBITDA-Marge lag bei 13,5% gegenüber 15,4% im Vorjahr.

Durch unsere schnelle Reaktion und Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen zu Beginn der Pandemie konnten wir unsere Margen in beiden Divisionen auf hohem Niveau sichern. Für den Konzern haben wir die Prognose für die EBITDA-Marge im Jahr 2020 letztlich mit 18,0% übererfüllt. Angesichts dieser Ergebnisse schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, eine Dividende in Höhe von € 1,52 pro Aktie zu zahlen.

Für das Geschäftsjahr 2021 erwarten wir – vorbehaltlich eines stabilen politischen und makroökonomischen Umfelds sowie keiner weiteren Rückschläge durch die Covid-19-Pandemie – einen Umsatz zwischen € 6,5 Mrd. und € 6,9 Mrd., eine EBITDA-Marge zwischen 17,5 und 19,0% und eine EBIT-Marge zwischen 13,0 und 14,5%.

Knorr-Bremse zeichnet sich durch Qualität und Innovation aus und ist ein starker Partner für seine Kunden. Die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäfts verdanken wir auch unserer Innovationskraft, mit der wir zu den Lösungen der gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen. So entwickeln wir Produkte zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Reduzierung von Emissionen. Damit unterstützen wir die globale Bewegung hin zu grüner und nachhaltiger Mobilität und sind stolz darauf, ein wichtiger Partner und Treiber dieser Entwicklung zu sein. Unser Geschäft wird von der Zielsetzung der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden, profitieren, denn die Bahnindustrie ist eine wichtige Säule dieser Initiative. Die großen Zukunftsthemen E-Mobilität und autonom fahrende Lkw werden die Truck-Märkte in den nächsten Jahren am meisten verändern

Auch in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, in Innvationen, in Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle zu investieren. Im vergangenen Jahr haben wir daher rund € 400 Mio. oder 6,4% des Umsatzes in unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten investiert. Wesentliche Innovationstreiber waren beispielsweise in der Division RVS die neuen Klimasysteme clean[air], die mit intelligenter Luftverteilung sowie Filter- und Reinigungssystemen die Sicherheit der Fahrgäste in Zügen unterstützen. Das dem Geschäftsbericht beiliegende Magazin „Driving Innovation“ zeigt die umfassende Innovationsleistung von Knorr-Bremse auf und stellt die Menschen hinter den Knorr-Bremse Systemen vor.

Sie sehen: Knorr-Bremse ist in beiden Divisionen bestens aufgestellt. Wir werden an den Zukunftstrends partizipieren und die profitable Wachstumsstrategie fortsetzen. Wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen zu gehen!

München, 30. März 2021

IHR JAN MROSIK
VORSITZENDER DES VORSTANDS

Dr. Jan Mrosik - Vorsitzender des Vorstands der Knorr Bremse AG